Wann kannst du in Rente gehen?
Die Frage hat eine ehrliche Antwort: an dem Tag, an dem deine Rente plus das, was du selbst angespart hast, deine Ausgaben für den Rest des Lebens deckt. Das ist ein Mechanismus, kein Bauchgefühl — und die wichtigsten Zahlen bekommst du gratis vom System.
Wie das deutsche System aufgebaut ist
Drei Schichten, die sich unterschiedlich verhalten:
- Die gesetzliche Rente ist das Fundament. Du sammelst Entgeltpunkte: Verdienst du ein Jahr lang genau den Durchschnittslohn, gibt es einen Punkt. Die Regelaltersgrenze liegt für die Jahrgänge ab 1964 bei 67 — ab dann läuft die Rente lebenslang.
- Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) — was Arbeitgeber eingezahlt haben, oft per Entgeltumwandlung.
- Private Vorsorge — Riester, Rürup, ETF-Sparpläne, Ersparnisse. Das ist die Schicht, über die du frei verfügst.
Wo deine offizielle Zahl steht
Zwei Quellen, beide kostenlos: die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung (der Brief mit deiner bisher erreichten und deiner hochgerechneten Rente) und die Digitale Rentenübersicht auf rentenuebersicht.de, die gesetzliche, betriebliche und private Ansprüche an einem Ort sammelt. Notiere zwei Dinge: den Betrag pro Jahr und das Alter, ab dem er fließt.
Die Brücke: der Mechanismus hinter jeder Rentenrechnung
Ab dem Tag, an dem deine Rente beginnt, läuft sie lebenslang — dieser Teil deiner Ausgaben ist für immer gedeckt. Die eigentliche Frage ist die Brücke: die Jahre zwischen deinem letzten Arbeitstag und dem Rentenbeginn, plus die lebenslange Lücke zwischen Rente und Ausgaben. Beides muss dein Kapital tragen.
Deshalb bewegt sich die Antwort so stark bei kleinen Änderungen. Zwei Jahre früher aufhören heißt: zwei volle Jahresausgaben zusätzlich auf der Brücke. Ist die Baufinanzierung mit 68 abbezahlt, wird jedes Jahr danach billiger. 10 % weniger ausgeben lässt Brücke und Lücke gleichzeitig schrumpfen.
Früher raus — was das Regelwerk sagt
Die gesetzliche Rente kennt zwei vorgezogene Wege: Nach 45 Beitragsjahren («besonders langjährig Versicherte») geht es einige Jahre vor der Regelaltersgrenze ohne Abschlag — das Einstiegsalter steigt schrittweise. Nach 35 Jahren geht es ab 63, aber mit dauerhaftem Abschlag von 0,3 % pro Monat, bis zu 14,4 %. Alles davor ist selbstfinanziert: Die Brücke zahlt dein Kapital. Sätze und Grenzen sind Stand 2026 — der Mechanismus hält länger als die Zahlen.
Rechne es mit deinen eigenen Zahlen
Wenn du zuerst deine Ausgaben in den Griff bekommen willst: der Notgroschen-Guide und der Guide zu Sonderzahlungen zeigen, wie ein ehrliches Jahresbudget aussieht.
Der Rechner unten spielt die Brücke für jedes Aufhör-Alter durch und zeigt, wann das Geld lebenslang reicht. Alles in heutiger Kaufkraft, direkt in deinem Browser — nichts wird irgendwohin gesendet.
Häufige Fragen
Wo finde ich heraus, wie viel Rente ich bekomme?
In der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung und — für alle drei Schichten zusammen — auf rentenuebersicht.de. Wichtig sind zwei Zahlen: der Jahresbetrag und das Alter, ab dem er gezahlt wird.
Kann ich vor 67 in Rente gehen?
Ja: abschlagsfrei nach 45 Beitragsjahren (einige Jahre vor der Regelaltersgrenze), mit Abschlag von 0,3 % pro Monat ab 63 nach 35 Beitragsjahren — oder komplett selbstfinanziert, wobei dein Kapital die Jahre bis zum Rentenbeginn trägt. Der Rechner zeigt, ob die letzte Variante trägt.
Welche Rendite ist realistisch?
Der Rechner arbeitet real, also Rendite minus Inflation. Breit gestreute Portfolios haben langfristig grob 3–4 % über der Inflation gebracht — garantiert ist nichts. Rechne auch mit einer niedrigeren Zahl und sieh, wie stark sich die Antwort bewegt.
Zählt meine Immobilie als Altersvorsorge?
Nur, wenn du wirklich verkaufen oder verkleinern willst. Ein Haus, in dem du wohnen bleibst, zahlt keine Rechnungen — es senkt sie höchstens um die Miete. Rechne mit dem Betrag, den du tatsächlich freisetzen würdest.
Ist das hier Beratung?
Nein. Es ist ein Lernmodell auf Basis deiner eigenen Annahmen. Steuern, Krankenversicherung der Rentner und Abschlagsregeln können das Bild verschieben — sprich mit der Deutschen Rentenversicherung oder einer unabhängigen Beratung, bevor du entscheidest.